Offizieller Trailer zum Buch
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Wissenschaftsthriller
von Uwe Kallin
Inhalt
Sein Spiegelbild zeigt ihm einen fremden Mann. Die Stimme, die er hört, gehört nicht ihm. Albert Hansen fühlt sich im falschen Körper, seit er in der Genius Klinik aufgewacht ist. Die Ärztin erklärt ihm, seine Erinnerungen seien falsch. Sie würden ihm durch einen Defekt des Chips in seinem Kopf suggeriert, der von dem brillanten Wissenschaftler Christian Berger entwickelt wurde.
Doch Albert will das nicht glauben. Dazu sind seine Erinnerungen an dieses andere Leben viel zu real. Seine Jugend, sein erster Job, der so gefährlich endete, und seine große Liebe Jettchen, der die junge Krankenschwester Anna aus der Klinik auf rätselhafte Weise gleicht.
Während Albert immer wieder zu Behandlungen muss, bei denen sein Chip repariert werden soll, beginnt er zu ahnen, dass hinter den verschlossenen Türen der Genius Klinik weitaus größere Geheimnisse verborgen liegen als nur medizinische Forschung. Je mehr er an sich selbst zweifeln soll, umso sicherer wird er, dass nicht er selbst falsch ist, sondern die Wahrheit, die man ihm erzählt.

Leseprobe
Auszug aus Kapitel 1
Jemand war in sein Schlafzimmer eingedrungen. Der Schreck versetzte seinen Körper augenblicklich in Alarmzustand. Sein Herz hämmerte, seine Muskeln spannten sich an, bereit sich zu verteidigen, wenn es notwendig werden sollte.
Oder träumte er noch?
Nein.
Da war jemand, das konnte er ganz deutlich spüren. Angespannt lauerte er auf jedes Geräusch. Wo war der Kerl? Was hatte er vor? Bei einem alten Mann gab es doch nichts zu holen.
Nachdem er nichts Verdächtiges hören konnte, wagte er es, die Augen einen winzigen Spalt zu öffnen. Huschte da gerade ein Schatten im Halbdunkel in die Ecke? Schnell drehte er den Kopf in diese Richtung. Ein greller Schmerz zuckte durch seinen Schädel. Alles vor seinen Augen verschwamm.
Als er wieder klar sehen konnte, war der Schatten verschwunden. Jetzt hörte er gedämpfte Schritte auf der anderen Seite. Hastig wendete er den Kopf und löste damit erneut quälende Schmerzen aus. Stöhnend fasste er nach seiner Stirn und erschrak. Das war nicht seine Hand. Entgeistert starrte er sie an. Wie war das möglich?
Zögernd drehte er sie hin und her. Die fremde Hand drehte sich, als wäre es seine eigene. Das war ein Traum. Das konnte nur ein Traum sein, so etwas gab es nicht. Hatte er gestern vielleicht etwas Verstörendes gesehen oder gelesen und sein Geist versuchte das nun in einem wirren Traumszenario zu verarbeiten?
Er wackelte mit den Fingern, woraufhin die anderen Finger wackelten. Das war unheimlich. Unvermittelt machte er eine Faust, die fremde Hand ballte sich genauso unvermittelt zusammen.
War das wirklich ein Traum? Aber was für eine plausible Erklärung sollte es sonst für diese bizarre Situation geben?
Könnte er Wahrnehmungsstörungen haben? Doch dazu wirkte alles viel zu real und genau das machte ihm langsam Angst.
Er hob den Kopf, um sich umzusehen. Die Bewegung verursachte ein empfindliches Stechen, das ihn zwang, sich wieder ins Kissen sinken zu lassen. Es ist wohl besser, den Kopf ruhig zu halten, dachte er und begann, umherzutasten.
Das Bett fühlte sich fremd an. Die Matratze war härter als seine, das Laken rauer. Das war nicht sein Zuhause. Wo aber war er dann? Er musste sich umsehen. Irgendwie. Vielleicht, wenn er den Kopf ganz langsam bewegte?
Das half. Der Schmerz blieb erträglich. Das Zimmer war schlicht und wirkte unpersönlich. Sein Bett sah aus wie ein Krankenbett. Links neben ihm war ein breiter Durchgang, in dem es einen Wandschrank und zwei Türen gab. Die erste war geschlossen. Die zweite schräg gegenüber war halb geöffnet und führte in ein Badezimmer. Die Nische daneben war im Gegensatz zu den restlichen weißen Wänden in pastelligem Grün gestrichen. Dort standen zwei Stühle an einem kleinen Tisch, über dem ein Aquarell hing, das den Formen nach zu urteilen, eine Landschaft darstellen könnte. Rechts von ihm waren zwei Fenster, durch die er den grauen Morgenhimmel sehen konnte. Offenbar lag er in einem Krankenzimmer. Aber warum?
War er verrückt geworden und jetzt in der Psychiatrie? Das wäre zumindest eine Erklärung für das, was er gerade erlebte. Aber wieso wusste er nicht, wie er hierhergekommen war? Litt er neuerdings an Demenz? Oder begann das jetzt wieder mit der Vergesslichkeit wie vor ein paar Jahren? Oder …
Hatte er einen Unfall gehabt? Hektisch tastete er seinen Körper nach Infusionsschläuchen oder Kabeln ab und erschrak. Alles fühlte sich anders an. Arme, Beine, Brust, Bauch. Sein gesamter Körper war falsch.
Plötzlich hatte er das Gefühl, nicht mehr richtig atmen zu können und schnappte panisch nach Luft. Ihm wurde übel. Schnell war seine Haut von kaltem Schweiß bedeckt. Er krallte sich ins Laken. Beruhige dich, dachte er. Du darfst dich nicht von der Panik überrollen lassen. Alles wird gut.
Er zwang sich, ganz langsam ein und auszuatmen, dennoch dauerte es eine ganze Weile, bis er sich wieder im Griff hatte. Die Situation war völlig absurd, und doch schien sie real zu sein, also musste es auch eine Erklärung dafür geben.
Vermeintlich unlösbare Probleme hatte er in seinem Berufsleben immer in kleine Häppchen aufgeteilt, die er dann Stück für Stück angegangen war. Wenn er die scheinbaren Unmöglichkeiten Schicht für Schicht abgetragen hatte, war am Ende nur noch der reale Kern übriggeblieben. Diese Strategie hatte ihn fast immer zum Ziel geführt, also könnte das auch hier funktionieren.
Verschaff dir erst mal einen Überblick, sagte er sich und hob die Hände, um sie genauer zu betrachten. Sie waren kleiner als seine und filigraner. Die Haut war glatt ohne Runzeln oder Falten. Die langen, dünnen Finger hatten mit Sicherheit niemals Steine geschleppt oder Sand geschaufelt, wie er es in seinem Leben immer wieder getan hatte. Das war alles sehr merkwürdig, doch es brachte ihn einer Antwort keinen Schritt näher.
Er schlug die Decke zurück und spürte, wie sich ein Gefühl von Unsicherheit und Angst in ihm auszubreiten begann. Schnell hob er den Kopf und löste damit erneut heftiges Stechen aus. Die Bewegung war wieder zu hastig gewesen. Er musste einen Moment verschnaufen.
Als der Schmerz auf ein erträgliches Maß zurückgegangen war, sah er, was er bereits ertastet hatte. Dieser Körper war viel zu jung für einen 82-jährigen Mann. Außerdem war er kleiner als seiner. Er war so perplex, dass er für einen Moment seine Angst vergaß.
Zaghaft krümmte er die fremden Zehen. Sie reagierten genauso selbstverständlich wie die fremden Finger gerade eben. Auch Füße und Beine konnte er auf ganz natürliche Weise bewegen. Es schienen seine eigenen Gliedmaßen zu sein und doch waren sie es nicht.
Behutsam ließ er den Kopf zurück auf das Kissen sinken. Hatte man ihm vielleicht Drogen verabreicht und er halluzinierte jetzt? Dazu fühlte er sich jedoch viel zu klar und wach. Welche halbwegs sinnvolle Erklärung könnte es für diesen Irrsinn sonst noch geben, zum Teufel?
Er stutzte. Hatte ihn womöglich jemand ganz bewusst in diese Situation gebracht? Aber wer sollte so etwas tun und warum und vor allem, wie? Sollte das vielleicht ein Scherz sein? Er schnaubte. Das war überhaupt nicht lustig, ganz im Gegenteil. Das war eine bodenlose Unverschämtheit. Welche perversen Fantasien mussten jemanden antreiben, um so etwas zu tun, fragte er sich mit zunehmendem Groll. Ärgerlich schlug er mit der Faust aufs Bett. Wenn er schon in einem Krankenzimmer war, musste man ihm auch helfen. Man konnte ihn mit einer solchen Ungewissheit doch nicht einfach allein lassen. Ihm wurde heiß. Wo waren die Ärzte, wenn man sie mal brauchte, dachte er zornig und zuckte unvermittelt zusammen, als er den Eindringling wieder spürte.
»Hallo?«, rief er, wobei es ihn kaum überraschte, dass auch seine Stimme anders klang.
Keine Reaktion.
»Hallo?«
Wo war der andere? Stand er vielleicht hinter der Tür im Bad, wo er ihn nicht sehen konnte?
»Hallo?«
Kein Geräusch, kein Atmen, keine Schritte, nichts. Nur dieses beklemmende Gefühl, dass sich hier irgendwer versteckt hielt.
